Ronda: eine Ortschaft am Rande einer Schlucht

Der erste Blick auf Ronda hat mir doch den Atem genommen, denn die Ortschaft befindet sich am Rande einer Schlucht, die bis zu 100 Meter tief ist. Ronda ist eines der „weißen Dörfer“, die einfach aus dem Panorama Andalusiens nicht wegzudenken sind. Die Stadt „thront“ auf einem schroffen Felsplateau und die Ortschaften, die im Hinterland liegen, stehen für das authentische, spanische Leben. Dieses hat rein gar nichts mit den klassischen Touristenzentren und Betonburgen, die an der Küste in den Himmel ragen nichts gemeinsam.

Hier finden die Besucher weiß gekalkte Häuser, die sich einfach perfekt in die grün-braune Landschaft integrieren. Meiner Ansicht nach ist Ronda eines der spektakulärsten Orte, der sich in die wild-romantische und schon fast unwirklich erscheinende Berglandschaft einfügt.

Ronda ist vor allem bekannt durch seien Lage, denn die maurisch geprägte Altstadt La Ciudad liegt auf einem Felsplateau, das rundum steil abfällt. Getrennt ist die Altstadt von dem jüngeren Stadtteil El Mercadillo durch eine knapp 100 m tiefe Schlucht (El Tajo), die vom Rio Guadelevin gebildet wurde. Der Abgrund wird von drei Brücken überspannt:

  • Puente Arabe (arabische Brücke)
  • Puente Viejo (Alte Brücke)
  • Puente Nuevo (Neue Brücke)

Letztere ist die Bekannteste und wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Heute ist die Stadt Ronda zum Großteil auf Tourismus ausgerichtet und täglich strömen Tausende von Besucher von den Urlaubsorten der Costa del Sol nach Ronda.

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Die Geschichte von Ronda

Die frühesten Spuren einer Besiedlung der Region stammen aus der Altsteinzeit und rund 20 km von Ronda befindet sich die Cueva de la Pileta, eine Höhle von einer Länge von rund 2 km mit Höhlenmalereien. Diese wurden auf die Zeit zwischen 18.000 und 15.000 Jahren v. Chr. Datiert. In anderen Bereichen der Höhle wurde auch Malereien aus der Jungsteinzeit gefunden (circa 5000 v. Chr.). Iberer und Kelten siedelten im 1. Jahrtausend v. Chr. in der Region und sie unterhielten Handelsbeziehungen zu Phöniziern und Griechen.
Arundo war der erste überlieferte Namen für die Ortschaft und stammt wie sollte es anders sein von den Römern. Bereits 132 v. Chr. wurde von Scipio der Jüngere eine befestigte Anlage errichtet, wobei Arundo nicht die wichtigste Stadt der Römer war, sondern Acinipo, wo auch noch heute eine römische Ruine zu bestaunen ist. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte, sie wurde zerstört, wieder aufgebaut und geplündert. Erst die gemeinsamen einwandernden Vandalen, Alanen und Sueben in der Mitte des 1. Jahrtausends eroberten gemeinsam das Land, wurden dann aber sehr schnell von den Westgoten, die mit den Römern verbündet, waren vertrieben. Es waren die Byzantiner, die 549 n. Chr. für kurze Zeit den Süden der Iberischen Halbinsel wieder besetzten. Doch die Westgoten vertrieben die Byzantiner der Stadt und zeterten diese, die heute als Ronda la Vieja – das „Alte Ronda“ – bekannt ist.

Bereits im 19. und 20. Jahrhundert kamen Reisende nach Ronda und darunter auch die Künstler Doré oder Rilke und ab den 1960igern wurde die Stadt dann allmählich auch zum Ziel der Touristen. Dabei war es nicht nur die außergewöhnliche Lage der Stadt, eben auf dem Felsplateau, sondern auch die Bedeutung Rondas als Geburtsstätte des modernen Stierkampfs.

Ronda: eine der bedeutendsten touristischen Ziele in Südspanien

Okay, damit ist klar, die Geschichte Rondas startet wie fast in allen Orten Andalusiens mit den Iberern, Phöniziern und Römern – wie sollte es auch anders sein. Aber schon allein die maurische Epoche füllt mit ihrer über 700 Jahren Bücher und Legenden.

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Doch für die älteren Rondeños und hier ganz besonders für die Männer beginnt die relevante Zeitrechnung mit Francisco Romero, dem Großvater des viel zitierten Pedro. Er war es, der vor mehr als 250 Jahren, den Stierkampf „modernisierte“. Von ihm wurde die Muleta, das berühmte rote Tuch eingeführt sowie die Cuadrilla, die Mannschaft zu Fuß und zu Pferd. Seit diesem Zeitpunkt ist Stierkampf für die Fans, eine Kunst, eine Philosophie…
Aber nicht nur Stierkampf ist in Ronda zu finden, sondern genügend Alternativen.
Auch wenn ich mich wiederholen mag, doch die Lage allein macht schon sprachlos! Wer sich davon überzeugen möchte, der setzt sich einfach einmal auf die Verenda des Paradors (staatliche Herberge) und schaut in die Schlucht hinein, deren Felswände unmittelbar vor dem Hotel 100 Meter in die Tiefe fallen. Die Häuser und Gärten zu beiden Seiten kleben so dicht am Abgrund, dass einem sensiblen Besucher doch dann schon anders werden kann.
Von Rainer Maria Rilke, einem deutschen Dichter aus Prag, wurde die Stadt als eine „unvergleichbare Erscheinung der auf zwei Felsen angehäuften Stadt“ beschrieben.

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Schlendern, bummeln und sich einfach „verlieren“

Wer nach Ronda reist, sollte keine großen Pläne machen, sondern ganz einfach in die Altstadt aufbrechen. Schlendern, bummeln und sich in dem Labyrinth der engen Gassen verlieren, über die sogar noch hier und da Wäscheleinen gespannt sind. Dann gelangt man plötzlich wieder an die Puente Nuevo, die neue Brücke, die den spektakulärsten Blick in die Schlucht „Tajo“ bietet. Ganz einfach von der einen Seite, dem alten Handelsplatz, der Marcadillo heißt, zur Altstadt bummeln. Der Weg führt dabei über ein Dutzend ganz unterschiedlicher Plätze und einige sind still wie die Plaza de Carmen Abela und andere lebhaft wie die Plaza de España. Dabei wird der Weg von Relikten aus der islamischen Zeit gesäumt, wie arabischen Bädern und einstigen Moscheen.

Aber auch Begegnungen kann man machen, wie in einem wunderbaren Tante-Emma-Laden oder in einer Jamoneria, wo der Schinken von der Decke hängt. Es werden Kostproben verteilt und man wird darauf hingewiesen, dass man doch zum Fest der Blutwurst auf jeden Fall wieder nach Ronda kommen sollte. Doch es gibt noch mehr: In einem Hinterhof kann ein Erdbeerbaum entdeckt werden und die alten Männer, die dort während ihrer Siesta sitzen und schwatzen, erklären, warum die Früchte des Baumes, die Vögel betrunken machen.

Der Geschichte nachsinnen und genießen

Keinesfalls sollte man das Refektorium des ehemaligen Klosters auslassen, denn dort ist eine Vinothek und eine Kellerei zu finden. Dort kann der herbe Rote probiert werden und in dem zauberhaften Garten kann man in Ruhe genießen und der Geschichte von Ronda nachsinnen. Das Besondere ist, diese begann eben genau an gleicher Stelle nach dem Sieg von Isabella und Ferdinand über die Mauren. Die romantische Bodega heißt heute Descalzos Viejos.
Während des Sonnenuntergangs ist es eine gute Zeit, die Ausflüge für den nächsten Tag zu planen, wie die Pileta-Höhle, die Ruinen von Acinipo oder Templete de la Virgen de los Dolores. Oder aber man steigt über die in den Fels geschlagene Treppe „La Mina“ von der Casa del Rey Moro, dem „Haus des Maurenkönigs“ hinunter in den Tajo de Ronda.
Alles in allem Ronda ist eine sehenswerte Stadt und diese sollte jeder auf seine eigene Art erkunden.

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